Der 250-Millionen-Dollar-Chat mit einer KI: Wie Krafton ChatGPT fragte, wie man die Gründer von Subnautica 2 loswird – und scheiterte
Zu den Beweisen in einem Verfahren vor dem Court of Chancery in Delaware gehörten Gespräche mit einem Chatbot darüber, wie das Unternehmen Zahlungen von bis zu 250 Millionen Dollar umgehen könnte. Im Frühjahr 2025 prüfte Krafton-CEO Changhan Kim die Vertragsbedingungen mit den früheren Eigentümern des Studios hinter Subnautica. Seine eigenen Berater warnten ihn, dass es kaum eine rechtliche Grundlage gebe, die erfolgsabhängige Zahlung zu streichen. Dem Gericht zufolge wandte sich Kim daraufhin an ChatGPT. Zunächst erklärte der Chatbot, es sei „schwierig, die Zahlung zu stoppen“, doch nach weiteren Eingaben lieferte er einen umfassenden Handlungsplan.
Im März 2026 zitierte das Gericht diese Gespräche in seinem Urteil, stellte einen Vertragsbruch durch Krafton fest, setzte den entlassenen CEO des Studios wieder ein und verlängerte den Zeitraum, in dem Umsätze für die erfolgsabhängige Zahlung angerechnet würden. Subnautica 2 erschien daraufhin und verkaufte sich innerhalb einer Woche vier Millionen Mal – dadurch stieg die Wahrscheinlichkeit einer Auszahlung des Höchstbetrags deutlich. Dies ist die Geschichte, wie ein Gespräch eines CEOs mit ChatGPT in einem Streit um eine Viertelmilliarde Dollar zu Beweisen gegen sein eigenes Unternehmen wurde.
Wichtige Punkte
- 2021 übernahm Krafton Unknown Worlds, das Studio hinter Subnautica, in einem bis zu 750 Millionen Dollar schweren Deal: Rund 500 Millionen Dollar wurden sofort gezahlt, weitere bis zu 250 Millionen Dollar sollten bei Erreichen eines festgelegten Umsatzziels als erfolgsabhängige Zahlung folgen. Der Großteil davon war für die drei Führungskräfte des Studios vorgesehen;
- Für die erfolgsabhängige Zahlung zählten die bis Ende 2025 erzielten Umsätze; Subnautica 2 sollte dabei den größten Beitrag leisten. Im Juli 2025 feuerte Krafton drei Führungskräfte von Unknown Worlds und verschob die Veröffentlichung des Spiels auf 2026 – über den ursprünglichen Abrechnungszeitraum hinaus;
- Fortis Advisors klagte im Namen der früheren Anteilseigner. Im Laufe des Verfahrens stellte das Gericht fest, dass Kim ChatGPT gefragt hatte, wie sich die Zahlung vermeiden ließe. Anschließend gründete Krafton eine interne Taskforce namens Project X und setzte einen Großteil der vom Chatbot vorgeschlagenen Strategie um. Kim räumte vor Gericht ein, ChatGPT genutzt und relevante Chatprotokolle gelöscht zu haben;
- Im März 2026 urteilte das Gericht in Delaware, Krafton habe den Vertrag gebrochen, und befand die Begründungen des Unternehmens für vorgeschoben. Es setzte den entlassenen CEO des Studios wieder ein und verlängerte den ursprünglichen Abrechnungszeitraum um 258 Tage;
- Subnautica 2 startete am 14. Mai 2026 im Early Access und verkaufte sich innerhalb einer Woche vier Millionen Mal, innerhalb von 22 Tagen waren es fünf Millionen. Im Juli einigten sich die Parteien auf einen Vergleich, in dessen Rahmen Krafton Bonuszahlungen an das gesamte Team zusagte.

Ein Deal über bis zu 750 Millionen Dollar
Unknown Worlds ging aus Natural Selection hervor, einer kostenlosen Half-Life-Mod von Charlie Cleveland. Er gründete das Studio 2001; jahrelang war das Team vor allem unter PC-Spielern bekannt. Das änderte sich 2018 mit der Veröffentlichung von Subnautica – einem Survival-Spiel auf einem Ozeanplaneten, in dem Spieler Basen und U-Boote bauen und zugleich die von unbekannten Kreaturen bevölkerten Tiefen erkunden. Nach Jahren im Early Access und dem vollständigen Release hatte sich das Spiel Anfang 2020 mehr als fünf Millionen Mal verkauft und das kleine Studio zu einem namhaften Entwickler gemacht.
Bis dahin hatte Unknown Worlds eine eigene Führungsstruktur aufgebaut. Cleveland verantwortete die kreative Ausrichtung des Studios und war als Game Director tätig. Max McGuire, der in den Anfangsjahren zum Team gestoßen war, leitete den technischen Bereich. Ted Gill, der 2018 als Präsident zum Studio kam und später zum CEO ernannt wurde, kümmerte sich um die geschäftlichen Angelegenheiten. Diese drei sollten später zu den zentralen Figuren im Konflikt mit Krafton werden.
Im Oktober 2021 übernahm Krafton Unknown Worlds. Nach einem der größten Börsengänge in Südkoreas Technologiesektor verfügte der Publisher dank des Erfolgs von PUBG über beträchtliche Mittel und baute sein Studioportfolio aus. Unknown Worlds war Kraftons erste Übernahme nach dem Börsengang. Der Deal wurde mit bis zu 750 Millionen Dollar bewertet: Rund 500 Millionen Dollar wurden sofort gezahlt, während die früheren Eigentümer durch eine erfolgsabhängige Zahlung bis zu weitere 250 Millionen Dollar erhalten konnten, falls ein festgelegtes Umsatzziel erreicht wurde.
Eine Vertragsklausel sollte später besonders wichtig werden. Krafton garantierte den drei Führungskräften die operative Kontrolle über Unknown Worlds, einschließlich der Projektplanung, Veröffentlichungstermine und des Budgets. Das Unternehmen durfte sie nur aus den im Vertrag festgelegten „wichtigen Gründen“ entlassen. Mit anderen Worten: Krafton besaß das Studio, verpflichtete sich aber vertraglich dazu, die Leitung den bisherigen Führungskräften zu überlassen. Der mutmaßliche Verstoß gegen diese Klausel sollte später zu einem der zentralen Argumente der Kläger werden.
Der Bonus, der mehr kosten könnte als das Studio selbst
Bei den 250 Millionen Dollar handelte es sich nicht um einen fest zugesagten Bonus. Es war eine erfolgsabhängige Zahlung, deren Höhe vom Umsatz des Studios abhing. Die Berechnung ist wichtig, denn der gesamte folgende Konflikt drehte sich darum.
Sobald der Umsatz eine Schwelle von etwa 69,8 Millionen Dollar überschritt, musste Krafton den Verkäufern für jeden zusätzlich verdienten Dollar 3,12 Dollar zahlen – bis zu einem Höchstbetrag von 250 Millionen Dollar. Die Obergrenze wäre bei rund 150 Millionen Dollar an anrechenbarem Umsatz erreicht worden: Nach Überschreiten der Anfangsschwelle musste das Studio also noch etwa 80 Millionen Dollar erwirtschaften. Für die ursprüngliche Berechnung zählten nur bis Ende 2025 verbuchte Umsätze, wobei der Vertrag eine Verlängerung des Zeitraums bis Mitte 2026 zuließ.
Rund 90 Prozent der erfolgsabhängigen Zahlung waren für Cleveland, McGuire und Gill vorgesehen. Krafton stellte den Streit später als Versuch der drei Führungskräfte dar, eine riesige persönliche Auszahlung zu kassieren. Cleveland sagte, die Behauptung, „Max, Ted und ich wollten alles für uns behalten, ist völlig falsch“. Der Löwenanteil der Zahlung war tatsächlich den drei früheren Eigentümern zugedacht. Für Krafton handelte es sich daher nicht um einen gewöhnlichen Mitarbeiterbonus, sondern um eine erhebliche Verpflichtung im Zusammenhang mit der Übernahme.
Interne Prognosen deuteten 2025 darauf hin, dass sich die Auszahlung den vollen 250 Millionen Dollar nähern könnte. Das entsprach rund 35 Prozent von Kraftons jährlichem Betriebsgewinn und war Schätzungen zufolge mit dem Wert von Unknown Worlds selbst vergleichbar. Den im Prozess vorgelegten Beweisen zufolge hielt Krafton-CEO Changhan Kim den Vertrag für äußerst nachteilig für sein Unternehmen.
Es geht nicht ums Geld – es fühlt sich einfach schrecklich an, ausgenutzt zu werden. Für einen eingetragenen Geschäftsführer wäre es sogar eine Verletzung seiner Treuepflicht, sich alles gefallen zu lassen.
Das Wort „alles gefallen zu lassen“ sollte später im ersten Absatz der Urteilsbegründung auftauchen. Zu diesem Zeitpunkt war Subnautica 2 weiterhin der entscheidende Faktor: Von seinen Umsätzen hing die Höhe der erfolgsabhängigen Zahlung ab, aber das Spiel war noch nicht erschienen.

Juli 2025: Führungskräfte entlassen, Spiel verschoben
Am 1. Juli 2025 erhielten die drei Führungskräfte von Unknown Worlds ihre Kündigungen. Krafton ernannte Steve Papoutsis zum neuen CEO des Studios – einen Branchenveteranen, der zuvor Kraftons Tochterstudio Striking Distance Studios geleitet hatte. Der Führungswechsel wurde am folgenden Tag öffentlich bekannt gegeben.
Kraftons Begründung wurde mit der Zeit ausführlicher und schärfer. Zunächst wünschte das Unternehmen den scheidenden Führungskräften lediglich alles Gute für die Zukunft. Später warf es der bisherigen Leitung vor, sich praktisch aus der Entwicklung zurückgezogen zu haben: Cleveland und McGuire hätten sich persönlichen Projekten zugewandt, darunter Clevelands Film, während Subnautica 2 noch lange nicht fertig gewesen sei. Ein Entwicklungsleiter behauptete später, der für die Veröffentlichung vorbereitete Teil mache nur einen kleinen Bruchteil der ursprünglichen Vision des Projekts aus. Laut Krafton habe die frühere Führung versucht, ein unfertiges Spiel zu veröffentlichen, um sich die erfolgsabhängige Zahlung zu sichern.
Die entlassenen Führungskräfte schilderten die Ereignisse ganz anders. Cleveland beharrte darauf, dass Subnautica 2 bereit für den Early Access gewesen sei und die Bedenken zum Zustand des Projekts nur als Vorwand für einen Wechsel an der Studiostpitze dienten. „Subnautica ist das Lebenswerk, in das ich all meine Arbeit gesteckt habe, und ich würde niemals freiwillig davon oder von dem großartigen Team Abstand nehmen, das sein ganzes Herzblut hineingesteckt hat“, schrieb er. Den Zugang zu dem von ihm gegründeten Unternehmen zu verlieren, sei für den Entwickler ein schwerer persönlicher Schlag gewesen.
Dann folgte eine Entscheidung, die sich direkt auf die Berechnung der erfolgsabhängigen Zahlung auswirkte. Am 10. Juli kündigte Unknown Worlds unter neuer Führung an, dass sich der Early-Access-Start von Subnautica 2 von 2025 auf 2026 verschiebe. Krafton betonte, die Entscheidung sei „von keinerlei vertraglichen oder finanziellen Erwägungen beeinflusst“ gewesen und habe ausschließlich mit der Qualität des Spiels zu tun. Auch Papoutsis sagte den Mitarbeitern: „Mir wurde nie gesagt, dass wir diese Änderung gezielt vornehmen, um irgendeine erfolgsabhängige Zahlung oder etwas Ähnliches zu beeinflussen.“
Das Problem war der Zeitpunkt. Nach dem ursprünglichen Berechnungszeitraum hätten Umsätze aus einem 2026 veröffentlichten Spiel überhaupt nicht für die erfolgsabhängige Zahlung gezählt. Selbst mit der vertraglich vorgesehenen Verlängerung hätte dem Studio deutlich weniger Zeit zur Verfügung gestanden, um das erforderliche Ziel zu erreichen. Bloomberg zufolge machte die Verschiebung eine Auszahlung des Höchstbetrags äußerst unwahrscheinlich und gefährdete rund 225 Millionen Dollar, die den drei Führungskräften zugedacht waren.
Aus Sicht der Kläger war die Abfolge eindeutig: Krafton entließ die Personen, die über den Veröffentlichungstermin entschieden, und verschob das Spiel anschließend über den wichtigsten Abrechnungszeitraum hinaus. Ob diese Entscheidungen gezielt getroffen worden waren, um die Auszahlung zu verringern, musste vor Gericht geklärt werden.
Fortis Advisors reichte im Namen der früheren Anteilseigner von Unknown Worlds Klage ein. Die im Verfahren vorgelegten Beweise machten aus einem Streit über die Entlassung von Führungskräften und eine erfolgsabhängige Zahlung eine Geschichte, die weit über die Videospielbranche hinausreichen sollte.
„Project X“: Wie ChatGPTs Ratschläge zu Kraftons Strategie wurden
Fortis Advisors verklagte Krafton vor dem Court of Chancery in Delaware. Die früheren Anteilseigner warfen dem Unternehmen vor, die Führung von Unknown Worlds gezielt ausgetauscht und Subnautica 2 verschoben zu haben, um den Abrechnungszeitraum der erfolgsabhängigen Zahlung auslaufen zu lassen. Damit, so ihre Argumentation, habe Krafton gegen seine vertragliche Verpflichtung verstoßen, die operative Kontrolle über das Studio bei den bisherigen Führungskräften zu belassen.
Kraftons interne Kommunikation wurde zu einigen der wichtigsten Beweise im Verfahren. Das Gericht rekonstruierte die folgende Abfolge der Ereignisse.
Am 2. Juni 2025 warnte Maria Park, Leiterin der Unternehmensentwicklung, Kim auf Slack, dass eine „Kündigung aus wichtigem Grund“ die Verpflichtung zur erfolgsabhängigen Zahlung nicht aufheben, Krafton aber dem „Risiko von Klagen und Reputationsschäden“ aussetzen würde. Kraftons Rechtsabteilung war zu diesem Zeitpunkt bereits in die Gespräche eingebunden. Doch wie es in der Urteilsbegründung heißt: „Kim wandte sich an ChatGPT, um Hilfe zu bekommen.“
Zunächst antwortete der Chatbot, die erfolgsabhängige Zahlung sei „schwierig zu stoppen“. Kim formulierte seine Eingaben immer weiter um und suchte nach einer anderen Lösung. Schließlich erstellte ChatGPT eine „Strategie für den Umgang mit einem ‚No-Deal‘-Szenario“, die ein „Paket aus Druckmitteln und Hebeln“ sowie einen „Umsetzungsplan für verschiedene Szenarien“ enthielt. Die mit der Angelegenheit betraute interne Taskforce wurde als Project X bekannt.
Der erste Punkt des vom Gericht zitierten Plans betraf die öffentliche Kommunikation: „Wiederholt, dass der Schutz von Qualität und des Vertrauens der Fans oberste Priorität hat, und untergrabe die Darstellung ‚Großkonzern gegen Indie‘.“ Außerdem wurde empfohlen, die Veröffentlichungsrechte auf Steam und Konsolen abzusichern, den Zugang zum Code und zur Build-Pipeline einzuschränken und „systematisches Material für die Rechtsverteidigung“ vorzubereiten.
Das Gericht stellte fest, dass Krafton den meisten Empfehlungen von ChatGPT folgte. Das Unternehmen setzte um, was der Chatbot als „präventive Deutungsrahmung“ bezeichnet hatte, und wandte sich mit seiner Darstellung direkt an die Fans von Unknown Worlds. Krafton veröffentlichte eine Mitteilung, die mit den Worten „An unsere 12 Millionen Mit-Subnauten“ begann und das eigene Vorgehen als Versuch darstellte, die Zukunft der Reihe zu schützen. Laut Gericht wollte Kim mit der Mitteilung „öffentliche Unterstützung von den Fans und die rechtliche Bestätigung unserer Legitimität sichern“ und hatte vorgeschlagen, ChatGPT für den Entwurf zu nutzen. Krafton sicherte sich außerdem die Veröffentlichungsrechte auf Steam, sodass Unknown Worlds Subnautica 2 nicht eigenständig veröffentlichen konnte.

Im Prozess räumte Kim ein, ChatGPT genutzt und bestimmte für den Rechtsstreit relevante Chatverläufe gelöscht zu haben. Das Gericht hielt ausdrücklich fest, dass genau jene Unterhaltung gelöscht worden war, in der ChatGPT die Earn-out-Zahlung als „schwer zu verhindern“ bezeichnet hatte. Krafton bestritt zunächst, dass die Ratschläge des Chatbots die Grundlage für das eigene Vorgehen gebildet hätten. Kims Aussage und interne Dokumente belegten jedoch einen Zusammenhang zwischen den ChatGPT-Unterhaltungen, Project X und den späteren Entscheidungen des Unternehmens.
Dabei handelte es sich weder um journalistische Vermutungen noch bloß um die Darstellung der Kläger. Vielmehr waren es Feststellungen des Gerichts auf Grundlage von Slack-Nachrichten, Krafton-Dokumenten und beeideten Zeugenaussagen. Im März 2026 musste das Gericht entscheiden, ob Krafton gegen die Vereinbarung verstoßen hatte und wie die früheren Eigentümer von Unknown Worlds so gestellt werden sollten, wie sie ohne diesen Verstoß dagestanden hätten.
März 2026: Das Gericht zitiert Kims ChatGPT-Unterhaltungen
Am 16. März 2026 verkündete Vizekanzlerin Lori Will ihre Entscheidung. Im einleitenden Absatz stand ein Satz, der schnell weit über die juristische Berichterstattung hinaus Verbreitung fand: „Aus Angst, einem Vertrag zugestimmt zu haben, der ihn zum ‚Fußabtreter‘ machte, konsultierte Kraftons CEO einen Chatbot mit künstlicher Intelligenz, um eine Strategie zur ‚Übernahme‘ des Unternehmens auszuhecken.“
In der zentralen Frage gab das Gericht den früheren Anteilseignern von Unknown Worlds recht. Krafton verstieß gegen die Vereinbarung , indem es die Führungskräfte ohne einen vertraglich gültigen Grund entließ und sich unrechtmäßig die operative Kontrolle aneignete, die ihnen der Vertrag zugesichert hatte. Die späteren Begründungen Kraftons für die Entlassungen bezeichnete das Gericht als „vorgeschoben“ – nachträglich entwickelte Rechtfertigungen, nachdem die ursprüngliche Begründung nicht mehr standhielt.
Das Gericht ordnete an, Ted Gill als CEO wiedereinzusetzen und ihm seine operative Entscheidungsbefugnis zurückzugeben, einschließlich der Kontrolle über den Veröffentlichungstermin von Subnautica 2. Krafton musste außerdem dem Studio den Zugang zur Veröffentlichungsplattform Steam wieder einräumen.
Der grundlegende Earn-out-Zeitraum wurde um 258 Tage verlängert – exakt so lange, wie Gill rechtswidrig von seinem Posten entfernt worden war. Die neue Frist verschob sich vom Ende des Jahres 2025 auf den 15. September 2026; gemäß den Vertragsbedingungen war eine weitere Verlängerung möglich. Damit erhielt das Studio im Grunde die Zeit zurück, in der es keine unabhängige operative Kontrolle gehabt hatte, um das Umsatzziel zu erreichen.
Das Gericht gewährte nicht alle von den früheren Eigentümern beantragten Maßnahmen. Cleveland und McGuire erhielten ihre früheren Aufgaben im Tagesgeschäft nicht zurück: Die Beweise zeigten, dass sie zum Zeitpunkt des Streits bereits eingeschränktere operative Zuständigkeiten übernommen hatten – was Krafton seit Langem wusste und akzeptiert hatte.
Das Gericht befasste sich auch mit Kraftons Gegenklagen. Das Unternehmen behauptete, die Führungskräfte hätten vor ihrer Entlassung Zehntausende Arbeitsdateien heruntergeladen, eine davon sogar nur wenige Minuten, bevor ihr Zugang gesperrt wurde. Das Gericht wertete ihr Verhalten jedoch nicht als Diebstahl: Die Materialien blieben vertraulich und wurden umgehend zurückgegeben. In der Urteilsbegründung hieß es: „Das sind nicht die Handlungen von Dieben.“
Auch Kraftons wirtschaftliche Bedenken waren nicht völlig unbegründet: Das vorherige Spiel von Unknown Worlds, Moonbreaker, blieb hinter den Verkaufserwartungen zurück. Das gab Krafton jedoch nicht das Recht, die Bedingungen des Übernahmevertrags zu missachten. Das Gericht kam zu dem Schluss, dass es für die Entlassungen und die Übernahme der operativen Kontrolle keine ausreichende vertragliche Grundlage gab. Die Aktenlage belegte zudem, dass Krafton die Empfehlungen von ChatGPT tatsächlich bei der Vorbereitung seiner späteren Maßnahmen genutzt hatte.
Krafton reagierte zurückhaltend: „Auch wenn wir der heutigen Entscheidung respektvoll widersprechen, prüfen wir unsere Möglichkeiten und legen fest, wie wir weiter vorgehen.“ Die Frage nach einem finanziellen Schadensersatz wurde einer späteren Phase des Verfahrens vorbehalten. Unterdessen konnte die wiedereingesetzte Führung von Unknown Worlds Subnautica 2 wieder innerhalb des verlängerten Earn-out-Zeitraums veröffentlichen.
Subnautica 2: 5 Millionen Exemplare in 22 Tagen
Nach seiner Wiedereinsetzung kehrte Gill zum ursprünglichen Plan zurück und veröffentlichte Subnautica 2 innerhalb des verlängerten Earn-out-Zeitraums.
Das Spiel startete am 14. Mai 2026 für 29,99 $ im Early Access auf Steam, im Epic Games Store und im Microsoft Store sowie für Xbox Series X/S und über Game Pass. Laut Unknown Worlds verkaufte es sich in der ersten Stunde eine Million Mal, nach 12 Stunden waren es zwei Millionen und innerhalb einer Woche vier Millionen. Kraftons späterer Quartalsbericht verzeichnete 5 Millionen verkaufte Exemplare in 22 Tagen.
Auf Steam erreichte das Spiel eine Spitzenspielerzahl von 467.582 gleichzeitig aktiven Nutzern – etwa neunmal so viel wie der Allzeitrekord des ersten Subnautica. Plattformübergreifend meldete Unknown Worlds einen Höchstwert von mehr als 651.000 Nutzern. Die Steam-Bewertung des Spiels pendelte sich bei „Sehr positiv“ ein.
Diese Zahlen wirkten sich direkt auf die Berechnung des Earn-outs aus. Ein anrechenbarer Umsatz von rund 150 Millionen $ hätte die volle Auszahlung von 250 Millionen $ ausgelöst. Fünf Millionen zum vollen Preis von 29,99 $ verkaufte Exemplare entsprechen etwa 150 Millionen $ Bruttoumsatz – erreicht in weniger als einem Monat.
Der Bruttoumsatz lässt sich allerdings nicht automatisch als anrechenbarer Umsatz gemäß der Vereinbarung werten. Der endgültige Betrag hängt unter anderem von regionalen Preisen, den Gebühren der Plattformen und den Bedingungen von Game Pass ab. Daher ist die oft genannte Schätzung von 100 Millionen $ Umsatz in der ersten Woche eine externe Berechnung und keine offiziell bestätigte Zahl. Allein anhand der Verkaufszahlen lässt sich die genaue Höhe des Earn-outs nicht bestimmen.
Trotzdem erschien das Spiel vor dem 15. September 2026, und sein Erfolg erhöhte die Wahrscheinlichkeit einer maximalen Auszahlung deutlich – genau dieses Ergebnis hatte Krafton laut den Feststellungen des Gerichts vermeiden wollen.
Starke Verkaufszahlen beweisen nicht, dass die Early-Access-Version allen internen Plänen des Studios vollständig entsprach. Subnautica 2 befand sich weiterhin im Early Access, bot nur begrenzte Inhalte und wurde für die Balance seines Kampfsystems kritisiert. Die Entwickler gingen die Kritik in den ersten Updates an. Für ein abschließendes Urteil über das Spiel war es noch zu früh. Aus wirtschaftlicher Sicht erwies sich die Entscheidung, es 2026 zu veröffentlichen, jedoch als richtig: Die Nachfrage brachte Unknown Worlds innerhalb weniger Wochen nahe an den Zielwert.

Spielst du Subnautica 2 im Early Access?
Juli 2026: Krafton stimmt der Auszahlung der Boni zu
Nach dem erfolgreichen Start von Subnautica 2 und dem Urteil zugunsten der früheren Eigentümer einigten sich die Parteien, bevor ein separates Verfahren über den finanziellen Schadensersatz stattfinden konnte. Am 1. Juli 2026 gaben sie einen Vergleich bekannt und vereinbarten, alle noch offenen Klagen fallen zu lassen.
Im Rahmen des Vergleichs wurden die Boni auf das gesamte Team von Subnautica 2 ausgeweitet, einschließlich der Beschäftigten, die erst nach der Übernahme von Unknown Worlds im Jahr 2021 zum Studio gekommen waren. Die ursprüngliche Vereinbarung sah Auszahlungen hauptsächlich für die drei Führungskräfte und die Beschäftigten vor, die bereits zum Zeitpunkt des Verkaufs im Studio arbeiteten.
Das Geld wird in drei jährlichen Raten ausgezahlt. Gill zufolge wird der gesamte Bonuspool deutlich größer ausfallen, als es die ursprüngliche Vereinbarung vorgesehen hatte. Die genaue Summe wurde nicht bekannt gegeben. Letztlich umfasst der Kreis der Begünstigten jedoch mehr Personen als nach den ursprünglichen Übernahmebedingungen.
Ted Gill, den das Gericht einige Monate zuvor wieder als CEO eingesetzt hatte, beschloss nach dem Vergleich, das Unternehmen zu verlassen. „Wir haben uns einvernehmlich auf eine Trennung geeinigt“, sagte er gegenüber Bloomberg. „Eine neue Führung ist der beste Weg, um das Studio voranzubringen.“

Kraftons Führung blieb unterdessen unverändert. Acht Tage nach dem Gerichtsurteil beriefen die Aktionäre Changhan Kim für eine weitere Amtszeit von drei Jahren bis 2029 wieder. Seine Kandidatur erhielt 99,6 % der Stimmen. Das Unternehmen verlor den zentralen Streitpunkt und stimmte einer Ausweitung des Bonusprogramms zu, doch Kim blieb CEO.
Warum die Geschichte auch außerhalb der Spielebranche für Aufsehen sorgte
Bei Streitigkeiten um Earn-outs geht es normalerweise um die Angelegenheiten von Unternehmensjuristen und Aktionären. Dieser Fall hatte einen deutlich greifbareren und ungewöhnlicheren Aufhänger: Der CEO eines großen Unternehmens wandte sich an ChatGPT, um eine andere Lösung zu finden, obwohl ihn seine eigenen Berater zuvor vor den rechtlichen Risiken gewarnt hatten. Die Vorschläge des Chatbots flossen in einen internen Plan namens Project X ein und wurden später vom Gericht zitiert.
Für Spielerinnen und Spieler berührte der Fall noch ein weiteres bekanntes Thema: Ein großer Publisher übernimmt ein unabhängiges Studio und verspricht, dessen Eigenständigkeit zu bewahren, gerät dann aber mit den früheren Eigentümern über Fristen, kreative Kontrolle und Geld in Streit. Am Fall Unknown Worlds war besonders, dass die Rechte der Führungskräfte ausdrücklich vertraglich geschützt waren und sich Kraftons Vorgehen anhand interner Dokumente und Zeugenaussagen nachvollziehen ließ.
Die Verkaufszahlen von Subnautica 2 hatten keinen Einfluss mehr auf ein bereits ergangenes Urteil, machten die finanziellen Folgen aber deutlich greifbarer. Der maximale Earn-out wirkte nicht länger wie eine abstrakte Summe: Nach dem erfolgreichen Start wurde er zu einer realistischen Möglichkeit, die beide Seiten bei den Vergleichsverhandlungen berücksichtigen mussten.
***
Fazit
Kraftons Plan erreichte sein Ziel nicht. Das Unternehmen konnte die Earn-out-Zahlung nicht verhindern, das Gericht setzte Ted Gill wieder als Leiter des Studios ein und verlängerte den Bemessungszeitraum. Zugleich weitete die Einigung die Auszahlungen auf das gesamte Team von Subnautica 2 aus. Die genaue Summe wurde nicht bekannt gegeben, doch letztlich fiel der Kreis der Anspruchsberechtigten größer aus, als es die ursprüngliche Vereinbarung vorgesehen hatte.
Die wichtigste Erkenntnis betrifft nicht die Fähigkeiten künstlicher Intelligenz, sondern die Verantwortung von Führungskräften. ChatGPT konnte eine Strategie vorschlagen, doch die Entscheidung, sie umzusetzen, trafen Menschen. Das Gespräch mit dem Chatbot erwies sich zudem als genauso auffindbar wie E-Mails oder Slack-Nachrichten: Es wurde im Rechtsstreit vorgelegt und mit den späteren Handlungen des Unternehmens verglichen.
In der Subnautica-2-Saga, auf wessen Seite stehst du?
FAQ
Worum geht es bei der Klage zu Subnautica 2 eigentlich?
Es handelt sich um einen Vertragsstreit. Als Krafton 2021 Unknown Worlds übernahm, sah die Vereinbarung eine erfolgsabhängige Zahlung von bis zu 250 Millionen Dollar vor. Sie war daran geknüpft, dass das Studio bis Ende 2025 ein Umsatzziel erreichte; der Großteil des Geldes war für drei Führungskräfte des Studios bestimmt. Im Juli 2025 entließ Krafton alle drei und verschob Subnautica 2 auf 2026 – über den ursprünglich vereinbarten Stichtag hinaus. Fortis Advisors verklagte Krafton im Namen der früheren Anteilseigner und argumentierte, das Unternehmen habe die Verzögerung gezielt herbeigeführt, um die Earn-out-Zahlung zu umgehen. Im März 2026 entschied das Gericht in Delaware, dass Krafton gegen die Vereinbarung verstoßen hatte.
Hat Kraftons CEO tatsächlich ChatGPT genutzt?
Laut den Feststellungen des Gerichts: ja. Nachdem Kraftons eigene Mitarbeiter gewarnt hatten, dass eine Entlassung der Führungskräfte die Earn-out-Zahlung rechtlich nicht verhindern würde, wandte sich CEO Changhan Kim an ChatGPT, um eine Strategie zu erfragen. Krafton richtete daraufhin eine interne Taskforce ein, die sich an den Empfehlungen des Chatbots orientierte und den Namen „Project X“ trug. Unter anderem folgte das Unternehmen ChatGPTs Vorschlag, die öffentliche Kommunikation auf „Qualität und das Vertrauen der Fans“ auszurichten. Das Gericht stellte fest, Krafton habe „die meisten Empfehlungen von ChatGPT befolgt“. Dabei handelt es sich um Feststellungen auf Grundlage der im Prozess vorgelegten Beweise. Krafton wies den Vorwurf zunächst zurück, doch Kim räumte später vor Gericht ein, ChatGPT genutzt zu haben.
Wie hoch war die Earn-out-Zahlung, und wer sollte sie erhalten?
Bis zu 250 Millionen Dollar zusätzlich zu den bereits gezahlten rund 500 Millionen Dollar. Damit hätte der Kaufpreis bis zu 750 Millionen Dollar betragen. Rund 90 % der Earn-out-Zahlung waren für drei Führungskräfte vorgesehen: Game Director Charlie Cleveland, Technical Director Max McGuire und CEO Ted Gill. Durch die Einigung im Juli 2026 wurden die Boni auf das gesamte Team von Subnautica 2 ausgeweitet.
Wurde Kraftons CEO wegen der Kontroverse entlassen?
Nein – das wird häufig missverstanden. Krafton-CEO Changhan Kim blieb im Amt, und kurz nach dem Gerichtsurteil bestätigten die Aktionäre ihn bis 2029. Ted Gill war derjenige, der ausschied: Der Leiter von Unknown Worlds trat im Rahmen der Einigung zurück, nachdem das Gericht ihn zuvor wieder eingesetzt hatte.
Ist Subnautica 2 gut, und lohnt sich der Kauf schon jetzt?
Das Spiel erschien am 14. Mai 2026 für 29,99 $ im Early Access und wurde positiv aufgenommen. Auf Steam erhielt es die Bewertung „Sehr positiv“ und verkaufte sich in der ersten Woche vier Millionen Mal. Es befindet sich allerdings noch in aktiver Entwicklung und ist nicht fertig; der Umfang ist derzeit noch relativ begrenzt. Wer ein vollständiges Spielerlebnis möchte, wartet womöglich besser noch ab. Vor dem Kauf können Sie auch unsere Vorschau zu Subnautica 2 lesen.
Wann erscheint Subnautica 2 vollständig?
Ein genaues Datum steht noch nicht fest. Die Entwickler rechnen damit, dass der Early Access etwa zwei bis drei Jahre dauern wird. Das deutet auf eine Veröffentlichung der Version 1.0 irgendwann zwischen 2027 und 2028 hin; bis dahin sollen weitere Inhalte erscheinen.
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