Putzt du gern? Viele werden das sicher bejahen. Putzen wirkt wunderbar beruhigend: Es lenkt von sorgenvollen Gedanken ab und sorgt sowohl in der Umgebung als auch im eigenen Kopf für Ordnung. Und obwohl es eine alltägliche Routine ist, hat Putzen etwas mit Spielen gemeinsam – nämlich das Gefühl, Fortschritte zu machen. Mit jedem Wisch des Schwamms oder Mops kommst du deinem Ziel näher: blitzsauberes Geschirr oder glänzend polierte Böden.
Spieleentwickler haben die paradoxe Anziehungskraft solcher Routinearbeiten schon vor langer Zeit erkannt. So wurde etwa PowerWash Simulator im Jahr 2022 zeitweise zum Verkaufsschlager. Das Spiel bestand ausschließlich daraus, herumzulaufen und Schmutz mit einem Hochdruckreiniger wegzuspritzen – und ebnete damit vielen Indie-Entwicklern den Weg.
Heute nehmen wir den „PowerWash Sim für kleines Geld“ unter die Lupe: Moldwasher, ein Spiel, in dem ein Stück Sushi Schimmel aus dem Kühlschrank entfernt und Hackfleisch mit einem Flammenwerfer anbrät.
Plattform: PC (Ryzen 7 8700F, NVIDIA RTX 5060, 32 GB RAM)
Spielzeit: 2 Stunden
Schimmel, ade!
Moldwasher ist Teil einer inoffiziellen „Hygiene-Trilogie“ des unabhängigen Entwicklers Mikhail Rublev (Rubel Games). Den Auftakt machte 2022 das Strategiespiel Listeria Wars: Darin isst ein Typ alles, was ihm vor die Nase kommt, und löst so heftige Kämpfe zwischen Immunzellen und Mikroben in seinem Körper aus. Zwei Jahre später veröffentlichte Rublev das taktische Roguelike Staying Fresh, in dem frische Lebensmittel auf den Kühlschrankregalen gegen verdorbene kämpfen. Moldwasher ist eine Art Fortsetzung von Staying Fresh.
Der Entwickler erzählte, dass er dem Hauptmenü von Staying Fresh ein Minispiel hinzugefügt hatte: Fuhr man mit dem Mauszeiger über die Lebensmittel im Kühlschrank, überzogen sie sich mit Schimmel. Hielt man dann die rechte Maustaste gedrückt und bewegte den Mauszeiger erneut, verschwand der Schimmel. Viele Spieler fanden dieses Minispiel interessanter als das eigentliche Gameplay von Staying Fresh, und Rublev beschloss, daraus ein eigenständiges Spiel zu machen. Auf die Idee für einen Reinigungssimulator kam er übrigens, als er sich entspannende Videos über das Säubern von Teppichen und Pools ansah.

In Moldwasher übernimmt der Spieler die Kontrolle über ein lebendiges Nigiri-Sushi, das beschließt, in der Küche aufzuräumen. Schimmel in allen möglichen Formen hat sich auf den Regalen und im Kühlschrank breitgemacht, Kakerlaken huschen über den Boden, und in der Schüssel mit Hackfleisch scheint bereits neues Leben zu entstehen. Um wieder zur Ruhe zu kommen, schnappt sich das Sushi einen Hochdruckreiniger und macht sich ans Großreinemachen.
Warum ausgerechnet Sushi? Warum nicht?
Niedlich, aber zu kurz
Das Gameplay ist simpel aufgebaut: Auf der Küchenkarte erscheinen kurze Missionen, die jeweils 1–5 Minuten dauern und in denen du Regale, Arbeitsflächen, einen Deckenventilator und andere Einrichtungsgegenstände reinigen sollst. Gegen Schmutz und Schimmel setzt die Spielfigur verschiedene Werkzeuge ein: einen Hochdruckreiniger, einen Laubbläser, eine Spitzhacke, eine Axt und sogar einen Flammenwerfer (laut Entwickler kam der Vorschlag von einem seiner Abonnenten).
Zu Beginn steht nur der einfachste Hochdruckreiniger zur Verfügung. Die übrigen Werkzeuge und ihre Verbesserungen musst du mit Geld kaufen, das du für abgeschlossene Missionen erhältst. Für gründliches Putzen gibt es neben Geld auch Münzen – die kannst du an einem Gacha-Automaten ausgeben, der zufällig Musikplatten, Figuren und Aufkleber zur Dekoration des Drehkreuzes ausgibt.

Der Schimmel im Spiel ist aggressiv: Wird beim Putzen auch nur ein Pixel übersehen, breitet er sich weiter aus. Deshalb musst du sorgfältig und zügig arbeiten. Das führt mitunter zu Problemen, denn wegen der Pixelgrafik ist der letzte Schmutzpixel manchmal schwer zu entdecken. Tja, Pixeljagd gehört bei Simulatoren eben immer noch dazu.
Was ist deiner Meinung nach die ideale Lösung für das Problem der Pixelsuche in modernen Spielen?
Der größte Kritikpunkt der Spieler an Moldwasher ist die kurze Spielzeit. In nur zwei Stunden lässt sich das gesamte Spiel durchspielen, und das Ende wirkt überhastet: Gerade erst hast du ein neues Werkzeug bekommen – die Axt –, da laufen schon 3–5 Minuten später die Credits.
Welche Erfahrungen hast du mit Reinigungssimulatoren (PowerWash Simulator, Viscera Cleanup Detail, Moldwasher usw.)?
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Ehrlich gesagt erfindet Moldwasher das Genre nicht neu. Es greift bekannte Mechaniken aus PowerWash Simulator auf, vereinfacht sie für ein 2D-Spiel und würzt das Ganze mit einer Prise Wahnsinn: einer Sushi-Hauptfigur, einem Flammenwerfer und einem Hotdog auf der Ladentheke. Das ist aber keineswegs schlecht – die Bewertungen des Spiels sind fast durchweg positiv.
Was ist also das Erfolgsgeheimnis von Moldwasher? Bei kleinen Indie-Spielen sind die Erwartungen stets niedriger als bei Blockbustern. Von einem günstigen Reinigungssimulator in Pixelgrafik erwarten die Spieler nichts weiter als Entspannung nach einem anstrengenden Tag – und genau die bietet das Spiel. Vergiss nur nicht, nach dem Schrubben der Kühlschrankregale im Spiel auch in deiner echten Küche aufzuräumen.


